Ich bin, weil wir sind
Ubuntu ist ein Wort aus dem Zulu und bedeutet sinngemäß: „Ich bin, weil wir sind." Es ist eine Philosophie der Verbundenheit. Und es ist ein Betriebssystem — frei, quelloffen, von einer Gemeinschaft getragen. Beides passt zu dem, was mich gerade umtreibt.
Denn ich stelle um. Nicht radikal, nicht über Nacht. Aber Schritt für Schritt. Neben Windows, Android und den großen Cloud-Diensten aus dem Silicon Valley schaue ich mich jetzt auch nach Alternativen um. Ubuntu auf dem Rechner. Llama als lokales Sprachmodell. Open WebUI als Interface. Deutsche Anbieter als Hoster. EU-basierter Online-Speicher.
Autark-KI? Eine Illusion
Lasst mich eines vorweg sagen: Ich will nicht autark werden. Dafür sind die großen Modelle — Claude, GPT, Gemini — einfach zu leistungsfähig. Und die Technologien des Silicon Valley zu tief in alles verwoben. Autarke KI wird wohl eine Illusion bleiben. Dafür ist die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu vernetzt.
Aber: Das plötzliche Abschalten von Claudes Fable-Modell hat auch mir gezeigt — man sollte Alternativen kennen. Wer nur auf ein System setzt, steht im Ernstfall ohne alles da. Das ist keine Paranoia, sondern Medienkompetenz.
Vernetzung ist keine Einbahnstraße
Und hier kommt der soziologische Twist: Globale Vernetzung und Verstrickung haben nicht nur Schattenseiten. Denn Abhängigkeit funktioniert in beide Richtungen. Auch die Tech Bros sind abhängig — von uns. Von unseren Daten, unserer Aufmerksamkeit, unserer Zahlungsbereitschaft, unseren Inhalten, mit denen sie ihre Modelle trainieren.
Die Principal-Agent-Theorie gibt hier gute Einsichten: Wer ist eigentlich der Auftraggeber (Principal) und wer der Ausführende (Agent)? Die Tech-Konzerne tun so, als wären sie die Principals — dabei sind wir es. Ohne Nutzer:innen kein Geschäftsmodell.
Auch die Spieltheorie zeigt: In einem Netzwerk gegenseitiger Abhängigkeiten hat niemand absolute Macht. Kooperation ist kein Geschenk, sondern eine rationale Strategie. Und die Soziale Netzwerkanalyse macht sichtbar, dass Macht in Netzwerken nicht nur von Größe abhängt, sondern von Position. Wer Brücken baut — zwischen Systemen, zwischen Alternativen — hat Einfluss, auch ohne Milliarden.
Zwischen Autonomie und Alternativen
Die Bewegung, die ich bei mir beobachte, verläuft irgendwo zwischen Autonomie, Alternativen und eigenen kleinen Initiativen. Es geht nicht um den großen Systemwechsel. Es geht um Grassroots.
Es beginnt immer im Kleinen. Ubuntu installieren. Ein lokales Modell ausprobieren. Mal schauen, welche europäischen Cloud-Dienste es gibt. Sich fragen: Muss das wirklich auf einem US-Server liegen?
Und man entdeckt dabei Erstaunliches. Europa hat mehr zu bieten, als viele denken. Deutsche Hoster mit echtem Datenschutz. Französische KI-Modelle wie Mistral. Europäische Speicherlösungen, die DSGVO nicht als Hindernis sehen, sondern als Qualitätsmerkmal.
Hermann Hesse hat geschrieben: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Und genau so fühlt es sich an. Es lohnt sich, anzusehen, was da draußen noch so auf dem Markt ist. Auch — und gerade — in Europa.
Was Ubuntu mich lehrt
Ubuntu als Betriebssystem zwingt mich, Dinge zu verstehen, die Windows mir abnimmt. Terminal statt Klick. Paketverwaltung statt App Store. Das passt zu meiner AI-Noon-Reise: Verstehen, was unter der Haube passiert.
Und Ubuntu als Philosophie erinnert mich daran, dass Technologie nie nur eine individuelle Entscheidung ist. Wir sind vernetzt. Wir sind abhängig. Und genau deshalb lohnt es sich, die eigene digitale Infrastruktur bewusst zu gestalten — nicht aus Angst, sondern aus Neugier.
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Installiere Dir Ubuntu als zweites Betriebssystem (Dual Boot) oder in einer virtuellen Maschine (z.B. VirtualBox). Oder noch einfacher: Starte Open WebUI lokal und lade ein kleines Llama-Modell herunter. Schreib Deinen ersten Prompt an ein Modell, das auf Deinem eigenen Rechner läuft. Wie fühlt sich das an?
Wie abhängig bin ich von einem einzelnen Anbieter — und was würde passieren, wenn dieser Dienst morgen abgeschaltet wird?
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